Grußworte des Kommandanten zum Jahreswechsel

20191212 Rundbrief 2HJ 2019
Liebe Freunde und Förderer der Fregatte BRANDENBURG,

das Jahr 2019 liegt fast komplett hinter uns und es war ein sehr bewegtes Jahr – mit viel zu wenig Seefahrt! Das nun bevorstehende Weihnachtsfest und den Jahres wechsel nehme ich zum Anlass, Ihnen und Euch wieder einen Brief mit einem Rück blick zu schreiben.

In meinem letzten Brief hatte ich von einer „Zwangspause“ berichtet, die wir aufgrund zweier technischer Defekte einlegen mussten. So richtig Pause war es für die Besat zung aber dennoch nicht. Die Fähigkeitsanpassung, also die Modernisierung unse res Computersystems in der Operationszentrale lief weiter. Zur Abnahme dieser mo dernisierten Anlagen mussten auch Seefahrten durchgeführt werden, um den Nach weis zu erbringen, dass auch alles so funktioniert, wie es funktionieren soll.

Da auch unsere Kombüse von den technischen Defekten betroffen war, war Kreati vität bei der Zubereitung der Mahlzeiten während der Seefahrten gefragt: mit einem immensen Aufwand und großem Engagement zauberten unsere (wenigen) Smuts in der Bäckerei, der NotKombüse und der PUOPantry leckeres Essen für uns und wir waren uns einig, dass keine Qualitätsunterschiede festzustellen waren. Mittlerweile ist die Kombüse instandgesetzt und auch wieder hygienisch abgenommen, sodass bei der nächsten Seefahrt im Januar wieder „ganz normal“ gekocht werden kann.

Über die Sommermonate hatte die Besatzung die Möglichkeit, Urlaub zu nehmen, allerdings musste immer eine grö ßere Anzahl von Besat zungsmitgliedern auf dem Schiff bleiben, um die Ar beiten an Bord zu über wachen und zu begleiten. Ein richtiger Urlaubszeit raum, an dem das Schiff quasi abgeschlossen wird und sich die Besatzung am Stück erholen kann, war uns leider auch in die sem Jahr nicht vergönnt.

Zumal das zweite Halbjahr auch ganz im Zeichen der Ausbildung stand: diverse Lehr gänge und Weiterbildungen, eine intensive Ausbildung im Handwaffenschießen, so wie Besatzungsausbildung im Bereich der Schadensabwehr wurden durchgeführt und sorgten dafür, dass eigentlich nie die gesamte Besatzung an Bord und zudem ein hohes Arbeitspensum zu absolvieren war. Wer noch die Flotte von „früher“ kennt, wird nun sicherlich dem Reflex erliegen zu sagen, dass dies früher auch so gewesen sei. Dem muss ich jedoch entgegnen, dass sich spätestens seit Einführung der Soldatenarbeitszeitverordnung (SAZV) die Rah menbedingungen deutlich verändert haben: die Tatsache, dass „Mehrarbeit“ grundsätz lich durch Freistellung abgegolten werden muss führt dazu, dass sich – häufig die Er fahrungsträger, welche viel Wache gehen – in der sogenannten Freistellung befinden und dann für die Ausbildung nicht zur Verfü gung stehen. Der Aufwand, dies zu koordi nieren und zugleich eine Überlastung und das Anhäufen von Unmengen an Überstun den zu vermeiden ist schwierig, zeitintensiv und gelingt leider nicht bei jedem Besat zungsmitglied. Die Zeiten haben sich deut lich geändert!

Neben vielen Besuchergruppen und Praktikanten hatten wir im Sommer auch wieder eine Abordnung des Trebbiner Kinder und Jugendheims bei uns zu Besuch. Mit ei nem abwechslungsreichen Programm, welches durch Besatzungsmitglieder organi siert und begleitet wurde, konnten wir den Kindern und Jugendlichen einen Einblick in unser Schiff, unsere Arbeit und unsere Garnisonsstadt und deren Besonderheiten geben.

Im September konnte wieder eine Abordnung der Fregatte ins Patenland reisen und wir hatten ein sehr abwechslungsreiches und eindrucksvolles Programm mit Hand werk (Bierbrauen bei pro agro), Kultur (Besuch der FontaneAusstellung), Sport (In doorKlettern in der alten Ölmühle in Wittenberge), Seefahrt mit der WSP1 auf den Potsdamer Seen und dem Besuch der Polizeihochschule.

Ende Oktober war dann am Reformationstag das große Ereignis, die Feier zum 25. Dienstjubiläum unseres Roten Adlers und zugleich die Feier zu 25 Jahre Patenschaft des Landes Brandenburg mit der Fregatte. Im GorchFockHaus in Wilhelmshaven konnten viele Angehörige und Freunde unserer Besatzungsmitglieder, zahlreiche Ehemalige, darunter auch viele der ehemaligen Kommandanten sowie eine große Abordnung des Patenlandes aus den unterschiedlichsten Bereichen begrüßt werden. Als Vertreter des neu gewählten Landtages nahm die Landtagspräsidentin, Frau Dr. Liedtke und als Vertreter der zu diesem Zeitpunkt noch amtierenden Regierung der Innenminister, Herr Schröter, teil, um nur einige der vielen Gäste zu erwähnen.

Die Langen Kerls bildeten eindrucksvoll das Spalier und den Auftakt zur Feier und die Combo des Landespolizeiorchesters sorgte für Musik und gute Stimmung. Bevor die Gäste das Büfett genießen konnten, wurden – stellvertretend für die gesamte Besatzung – den Vertrauenspersonen und den Messepräsidenten die „Geburtstags geschenke“ des Patenlandes überreicht: Jeder aktuelle Besatzungsangehörige er hielt vom Land Brandenburg einen Kapuzenpullover in einer exklusiven 25Jahre BrandenburgEdition.

Die Landkreise und kreisfreien Städte hat ten mit tatkräftiger Un terstützung der Orts vereinigung Ebers walde des Techni schen Hilfswerkes ein „EPA Typ Branden burg“ (EPA = Ein mannpackung) zu sammengestellt, dass aus den Kreisen und Städten unseres Patenlandes allerlei Köstliches und Praktisches enthielt. Vom Innenminister erhielten die Messen jeweils eine Spardose in Form einer Fregatte, die liebevoll durch die Werkstätten der Nordbahn gGmbH hergestellt worden waren. Und letztlich hat die Sparkasse Barnim zusammen mit der Wirtschaftsvereinigung „proBrandenburg“ je dem Besatzungsangehörigen der aktuellen Besatzung einen Coin spendiert, auch dieser in einer sehr schönen Sonderausfertigung für das DoppelJubiläum. 

Es war ein „rauschendes Fest“ und es wurde bis spät in die Nacht gefeiert. Unser mit Hilfe von pro agro und der Braumanufaktur Potsdam gebrautes Bier und der köstliche Nachtisch vom GenussBotschafter René Klinkmüller waren die kulinarischen Grüße aus dem Patenland. Dank der Unterstützung von anderen Einheiten war es vielen Gästen möglich, bei uns an Bord zu übernachten. Am nächsten Morgen stand noch eine ausgiebige Schiffsführung auf dem Programm, bevor es für die Gäste zurück in die Heimat ging.

Wenige Tage nach den Feierlichkeiten dockte unser Roter Adler in das Schwimm dock des Marinearsenals Wilhelmshaven ein und bekam somit quasi „trockene Füße“. Dies war nötig, um die erforderlichen Instandsetzungsarbeiten am Unterwas serschiff durchzuführen. So sehr wir uns freuten, nun doch deutlich früher als geplant ins Dock zu kommen, erhielt unsere Freude wenige Tage später einen herben Dämp fer: Aus ungeklärter Ursache kam es am 14. November zu einem Brand in einem Ersatzteillager an Bord und der Brand hat – obwohl er sehr schnell gelöscht werden konnte – durch den Brandrauch und die Hitzeentwicklung großen Schaden in der entsprechenden Abteilung verursacht. Schon wieder ein Rückschlag für das Voran kommen!

Aber die mittlerweile sehr frustrationstolerante Besatzung ließ sich davon nicht ent mutigen! Trotz des Schadens und dessen beginnender Instandsetzung wurden die Vorbereitungen für die Seeklarbesichtigung Teil Hafen erfolgreich abgeschlossen. Dies ist eine Überprüfung durch die vorgesetzten Dienststellen, ob das Schiff alle administrativen und organisatorischen Voraussetzungen für eine sichere Teilnahme am Seeverkehr besitzt. Unser neuer Geschwaderkommandeur, Fregattenkapitän Christian Scherrer, konnte mit sichtlicher Freude der Besatzung am 21. November mitteilen, dass sie die Seeklarbesichtigung Teil Hafen ohne Probleme bestanden hat – endlich war wieder ein wichtiger Meilenstein in Richtung Einsatzfähigkeit geschafft.

Der letzte Besuch im Patenland für dieses Jahr musste auf ein Wochenende verschoben werden, da auch nach der Seeklarbesichtigung Teil Hafen weiter ausgebildet und vorbereitet werden musste, denn in der zweiten Dezemberwoche stand die sehr fordernde ABCAbwehrfähigkeitsüberprüfung auf dem Plan. Im Patenland konnten wir mit einer kleinen Abordnung die Brauereimanufaktur besuchen und verbrachten einen sehr schönen Tag mit „unseren“ Kindern und Jugendlichen in Trebbin. Neben anderen Aktivitäten und vielen guten Gesprächen wurden beim Plätzchenbacken wahre Kunstwerke kreiert – auch Plätzchen in Fregattenform. Nicht zuletzt durften wir uns beim Werderaner Tannenhof noch einen Weihnachtsbaum abholen, der – ganz traditions gemäß – mittlerweile gut geschmückt seinen Platz auf dem Flugdeck eingenommen hat.

Auch die Hürde der ABCAbwehrfähigkeitsüberprüfung konnten wir schließlich noch mit Bravour nehmen und so geht dieses Jahr – welches so ganz anders abgelaufen ist, als wir es ursprünglich geplant hatten – nun seinem Ende zu. Der Besatzung wurde viel Langmut und Flexibilität abverlangt und ich bin sehr froh darüber, dass sie trotz der vielen Rückschläge, der wenigen Seefahrt und der ständigen Planänderun gen weder die Freude am Dienst noch die Leistungsbereitschaft verloren hat. Ein tolles Team – ich bin stolz, ihr Kommandant sein zu dürfen!

Bis auf wenige Wachgänger über die Feiertage hat die Besatzung nun die Möglich keit, etwas Ruhe zu finden und Kraft für das neue Jahr zu schöpfen. In 2020 haben wir sehr viel Seefahrt und Ausbildung sowie einen langen Einsatz vor uns, was uns viel abverlangen wird. Packen wir‘s an!

Ich wünsche Ihnen und Euch allen eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und die besten Wünsche für ein glückliches neues Jahr 2020.

Hackstein
Fregattenkapitän