Heimatbrief Nr. 8

Liebe Familienangehörige und Freunde der Fregatte Brandenburg,

es ist vollbracht! Der Einsatz der Fregatte Brandenburg im Rahmen des Ständigen NATO Einsatz- verbandes in Unterstützung der NATO Aktivität in der Ägäis ist beendet. Wir haben die Aufgabe als Führungsschiff für die Aktivität an die Fregatte Lübeck abgegeben!

Pünktlich um 10:00 Uhr Ortszeit hieß es heute „Alle Leinen los und ein!“ und nur wenige Minuten später ging das Schiff auf Heimatkurs Richtung Westen.

Vor uns liegen nun noch acht Tage Transit bevor wir uns alle am 8. September um 10:00 Uhr in Wilhelmshaven wiedersehen.

Während des Aufenthalts in Salamis konnten wir den Deutschen Botschafter in Griechenland an Bord begrüßen und ihn in unsere Einsatzaufgabe einweisen. Unsere letzte Patrouillenfahrt nach Auslaufen aus Salamis führte uns nochmal in das Gebiet um die Inseln Lesbos und Chios.

Ein nautischer Höhepunkt war die Navigationsbelehrungsfahrt durch das Inselarchipel der Santo- rin-Inselgruppe. Bei bestem Wetter sind wir in den Krater dieses Unterwasservulkans eingefahren und haben ihn zwei Mal umrundet. Santorin ist eines der beliebtesten Ziele Griechenlands. Hier lie- gen auch regelmäßig zahlreiche Kreuzfahrtschiffe vor Anker und genießen den Ausblick auf die berühmten weißen Häuser mit ihren blauen Dächern und Türen. Entlang der hohe Steilküsten bot sich der Besatzung ein beeindruckender Anblick. Fast die gesamte Inselfläche ist von massiven Bimsstein- und Lavaschichten bedeckt. Vielerorts bildet ein breiter schwarzer Lavastrand den Übergang zum Meer. An anderen Stellen reicht die Bimsdecke bis ans Meer und bildet dann bis zu 350 Meter hohe Steilküsten. Die Wassertiefe im Inneren des noch immer aktiven Kraters beträgt an einigen Stellen bis zu 400 Meter.

Nachdem wir den Nachmittag vor Santorin vor Anker verbracht hatten, ging es dann zum Abend hin zum dritten Mal auf den Weg nach Souda auf Kreta. Am 27.08. sind wir dann in Souda einge- laufen und haben zunächst eine Kraftstoffübernahme durchgeführt – schließlich müssen die Tanks für den Heimweg gut gefüllt sein.

Am folgenden Tag standen viele Besatzungsangehörige angespannt und aufgeregt an Oberdeck und suchten am Horizont nach ersten Anzeichen der Fregatte Lübeck. Gegen Mittag schließlich kam die erlösende Meldung „Fregatte Lübeck optisch“ und kurze Zeit später hat unsere Ablösung zu griechischen Klängen, die wir zur Begrüßung über die Schiffslautsprecheranlage abgespielt ha- ben, neben uns festgemacht. Die Freude über die Ankunft unserer Kameraden war im gesamten Schiff zu spüren.

Nun galt es viel einsatzrelevantes Material von der Brandenburg auf die Lübeck zu verladen und unsere Erfahrungen im Rahmen von Einweisungen und Übergabebesprechungen weiterzugeben.

Die Materialübergabe dauerte bis in den Abend hinein. Dennoch war die Motivation der Besatzung sehr hoch und alle haben an- gepackt.

Parallel wurde auch Verpflegung für den Heimtransit übernommen.

Am 29. August war das Umladen des Materials und der Umzug des Stabes dann abgeschlossen und die Besatzungen der beiden Schiffe fanden sich am Abend zur offiziellen Übergabezeremonie auf unserem Flugdeck ein. Der Kontingentführer hat die Übergabe der Aufgabe als Führungsschiff der NATO Aktivität von der Fregatte Brandenburg an die Fregatte Lübeck befohlen und ich habe die Aufgabe an den Kommandanten der Lübeck übergeben. Als optisch sichtbares Zeichen wurde die NATO Flagge und die Flagge des Verbandsführers in unserem Mast nieder genommen und auf der Lübeck gesetzt. Außerdem konnte der Pokal als „Bestes Flaggschiff“, den wir am 1. April von der Sachsen übernommen hatten, an die Lübeck weitergereicht werden. Zum Ausklang des Abends hatte das Kombüsenteam der Brandenburg für beide Besatzungen gezaubert und eine Sandwich-Station im besten „Subway“ Stil vorbereitet. Bei guten Gesprächen, leckerem Essen und einem Kaltgetränk konnten nochmals Erfahrungen weitergegeben, alte Freundschaften aufge- frischt und neue Freundschaften geschlossen werden.

Pünktlich um 10:00 Uhr haben wir am 30. August, nach 151 Tagen im Einsatzgebiet, den Heimweg angetreten. Im Gepäck nimmt jeder von uns zahlreiche Erinnerungen und Erlebnisse mit. Aber am meisten spürt man jetzt natürlich die Vorfreude auf die Heimkehr.

Am 8. September werden wir wieder zu Hause sein, bis dahin heißt es noch ein wenig durchzuhal- ten. Aber das Ende der Abwesenheit ist in Sicht!

Da wir uns jetzt nicht mehr in unmittelbarer Landnähe aufhalten haben wir auch keine Handy-Netz Abdeckung mehr. Wundern Sie sich also bitte nicht, wenn Sie uns jetzt erst mal ein paar Tage nicht über WhatsApp oder ähnliches erreichen können.
Allen Vesseltrackern sei gesagt, wir senden auf AIS wieder mit unserem Schiffsnamen.

Ich hoffe, ich konnte Sie mit diesen Heimatinformationen ein wenig an unseren Erlebnissen teilha- ben lassen auch wenn ich natürlich über die direkten einsatzbezogenen und operativen Belange nicht so berichten konnte, wie ich es gerne getan hätte.

Wir sehen uns bald in Wilhelmshaven, Ihr

Christian Scherrer

Fregattenkapitän


Die gesamte Heimatinfo mit Bildern als PDF zum Download

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