Heimatbrief Nr. 6

In See, 19.07.2017

 

Liebe Familienangehörige und Freunde der Fregatte Brandenburg,

 

es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich mich das letzte Mal bei Ihnen gemeldet habe. Daher ist es nun deutlich an der Zeit, Sie über die letzten Wochen zu informieren.

Nach einem interessanten Hafenaufenthalt in Izmir sind wir am 12. Juni zu einem 15-tägigen See- törn ausgelaufen. Wie ich schon kurz berichtete, haben wir von dem Erdbeben am Auslauftag nichts mitbekommen.
Die täglichen Abläufe in unserem Einsatzgebiet hatten uns dann auch sehr schnell wieder eingeholt. Operativ haben wir in der Zwischenzeit eine gewisse Routine entwickelt, die Verfahrensabläufe bei entsprechenden Vorfällen und Beobachtungen sind eingespielt und die erforderlichen Fernmeldeverbindungen zu den jeweiligen Küstenwachen der Türkei und Griechenland sowie zu FRONTEX sind etabliert. Die Anwesenheit der entsprechenden Verbindungsoffiziere bei uns an Bord hat sich bewährt.

Ende Juni sind wir dann in Souda Bay auf Kreta eingelaufen. Sie erinnern sich, hier haben wir am 1. April unsere Aufgabe als Flaggschiff des Ständigen NATO Einsatzverbandes übernommen. Nun sollten wir diese Aufgabe an das neue Führungsschiff, den britischen Zerstörer HMS Duncan übergeben.

Zunächst wurde der Besatzung aber am Einlauftag bereits die „Einsatzmedaille der Bundeswehr für die Teilnahme am Auslandseinsatz im Rahmen der NATO Aktivität zur Unterstützung bei der Bewältigung der Flüchtlings- und Migrationskrise in der Ägäis“ verliehen, die nun jeder Ausgezeichnete an seiner Uniform als sichtbares Zeichen der Einsatzteilnahme tragen darf.

Wie bei jedem Hafenaufenthalt musste, trotz tropischer Temperaturen, zunächst Proviant und Material an Bord. Eine sehr schweißtreibende Angelegenheit, galt es doch 25 Tonnen Verpflegung und Ersatzteile an Bord zu nehmen.

Am 29. Juni fand die nationale Kommandoübergabe statt. Flottillenadmiral Deertz hat seine Aufgabe als Kontingentführer des 3. Deutschen Einsatzkontingents NATO-Unterstützung Ägäis an sei- nen Nachfolger, Kapitän zur See Brach übergeben. Der Stellvertreter Befehlshaber Einsatzführungskommando, Generalmajor Poschwatta hat die Übergabe durchgeführt. Für die Besatzung bedeutete dies, erstmalig die weiße Uniform aus den Spinden holen. Bei Temperaturen um 35° zwar nicht angenehm aber dem Anlass angemessen.

Einen Tag später hat Admiral Deertz dann unter Anwesenheit des Kommandeurs NATO Maritime Command die Führung über den NATO Verband an einen britischen Admiral übergeben und die Flagge als Führungsschiff über den Verband ging auf der Brandenburg nieder. Wieder „in weiß“ und wieder sehr heiß!!

Mit der Beendigung der Aufgabe als Flaggschiff hat uns auch der internationale Stab verlassen. Aktuell sind noch die Verbindungsoffiziere zur türkischen und griechischen Küstenwache sowie zu FRONTEX an Bord. Somit ist uns ein wenig Internationalität geblieben.

Während der Hafenliegezeit auf Kreta konnten wir die Bedeutung dieser Insel für die NATO Marinen direkt erleben. In dem Marinestützpunkt herrschte ein reges Ein- und Auslaufen von Schiffen unterschiedlichster Nationen.

Mit unserem neuen Kontingentführer an Bord ging es dann am 8. Juli wieder Richtung Einsatzge- biet und somit auch wieder zurück in die bekannte Seeraumüberwachungsroutine. Ein wenig Abwechslung in diese Routine brachte uns am 12./13. Juli ein Luftziel-/Seezielschießen mit unserem 76mm Geschütz und den 27mm Marine-Leichtgeschützen.

Neben unserer Einsatzaufgabe verwenden wir auch weiterhin viel Zeit für Ausbildung in allen Be- reichen. Etwas Besonderes ist dabei immer die Schießausbildung. Schließlich schießen wir nicht auf einer Schießanlage an Land sondern auf dem (zugegebenermaßen nur wenig aber immerhin) sich bewegenden Flugdeck. Und als Ziele nutzen wir keine Klappscheiben sondern auch mal Luftballons.

Die Tage auf See sind gefühlt besonders lang und daher ist Abwechslung und auch Ablenkung vom täglichen Einerlei der Seeroutine besonders wichtig. Dazu machen sehr viele Besatzungsangehörige nach wie vor regen Gebrauch von dem Sportangebot.

Sie erinnern sich an das Abnehm- und Fitnessprojekt „I make you Brandenburg“? Ich hatte in einer früheren Heimatinfo darüber berichtet.

Mit dem Einlaufen in Souda wurde der erste Teil dieses „Wettkampfes“ abgeschlossen. Über drei Monate fanden sich zahlreiche Kameraden einmal wöchentlich zum „Kontrollwiegen“ bei unserem Schiffsarzt ein. Während der Woche floss dann abends regelmäßig der Schweiß beim Sport auf dem Flugdeck. Das Gesamtergebnis ist sehr beeindruckend. Insgesamt haben die Teilnehmer 165kg Gewicht verloren und der Sieger kann stolz sein auf einen Gewichtsverlust von 18kg. Eine unglaubliche Leistung, die mit einem Pokal und viel Applaus im Rahmen einer Besatzungsmusterung gewürdigt wurde.

Für diejenigen, die Sport lieber an der Spielekonsole betreiben wurde auch ein Playstation Fußballturnier durchgeführt. Nach sportlich fairem Wettkampf gab es zum Glück keine Verletzten, aber für „Sportler“ und Zuschauer jede Menge Spaß.

Wie Sie also sehen, erfüllen wir unseren Einsatzauftrag, betreiben interne Ausbildung und halten uns sportlich fit! Dies wird auch an anderer Stelle wahrgenommen. So erreichte uns in Souda ein Brief des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke. Er sendet uns viele Grüße aus unserem Patenland und dankt uns für den „hervorragenden Dienst“ den wir leisten. Sehen Sie es mir nach, aber gerade in diesen Zeiten tut ein wenig Anerkennung von politischer Seite einfach gut!

Mittlerweile haben wir die Hälfte unseres Einsatzes hinter uns gebracht und wir werden eine kleine Besatzungsfeier anlässlich des sogenannten „Bergfestes“ (zur Halbzeit des Einsatzes) während des nächsten Hafenaufenthalts nachholen. Dann geht es auf die Zielgerade….

Ich möchte an dieser Stelle auch Werbung machen für das Sommerfest des Familienbetreuungszentrums Wilhelmshaven. Dieses findet am 20.08.2017 in der Zeit von 11:00 bis 16:00 Uhr am Grillplatz im Marinestützpunkt Heppenser-Groden, Alfred-Eckhard-Str. 1, 26384 Wilhelmshaven statt.

Wenn Sie vor Ort sind, melden Sie sich doch einfach bis zum 04.08. telefonisch unter 04421-68 5511 oder per E-Mail an FBZWilhelmshaven@bundeswehr.org an.

Und folgen Sie uns auch auf der Homepage der Deutschen Marine. Auch dort werden regelmäßig Geschichten und Erlebnisse von der Brandenburg eingestellt.

Bis zum nächsten Mal, Ihr

Christian Scherrer
Fregattenkapitän

Der ganze Heimatbrief mit Bildern:
Heimatinfo_6