Heimatbrief Nr. 2

Piräus, 13.04.2017

Liebe Familienangehörige und Freunde der Fregatte Brandenburg,

 

wie angekündigt folgt heute die nächste „Heimatinformation“ von der Brandenburg.

Unser Aufenthalt in Souda war, wie erwartet, ziemlich ausgefüllt mit Materialerhaltungsmaßnah- men, dem Verstauen von Lebensmitteln und Ersatzteilen sowie dem Umzug des Stabes zu uns an Bord. Dennoch gab es auch ausreichend Zeit zur Erkundung der Hafenstadt Chania. Die „offizielle Übergabezeremonie“ der Aufgabe als Flaggschiff der Standing NATO Maritime Group 2 erfolgte im Rahmen eines gemeinsamen Besatzungsfestes an Bord der Fregatte Sachsen. Die Kombüsen beider Schiffe hatten Spanferkel mit Rotkohl und Knödeln zubereitet und es war ein schöner Abend. In der Nacht vom 31. März auf den 1. April wurde dann die NATO-Flagge bei uns im Mast gesetzt und wir sind nun offiziell das Führungsschiff des Verbandes.

Am frühen Morgen des 1. April haben wir unsere Kameraden der Fregatte Sachsen verabschiedet, die mittlerweile in Wilhelmshaven eingelaufen sind.

Im Laufe des Tages liefen auch die restlichen Schiffe des Verbandes in Souda ein.
Am Abend fand auf unserem Flugdeck ein kleiner Empfang für die Besatzungen der kanadischen Fregatte St. John‘s, der spanische Fregatte Mendez Nunez sowie des spanischen Tanker Patino statt. Da diese drei Schiffe im Schwerpunkt nicht in der Ägäis operieren, war der Empfang eine gute Gelegenheit zum Austausch und zum Knüpfen von Freundschaften unter Seefahrern. Die Brandenburg hat sich als guter Gastgeber präsentiert und das ausgeschenkte Bier aus unserem Patenland fand reichlich Zuspruch bei unseren internationalen Gästen.

Am Abend des 2. April sind wir dann auch selbst aus Souda zu unserem ersten „See-Törn“ ausgelaufen.
Die Zeit nach Auslaufen aus Souda war geprägt von einem Kennenlernen des Seegebiets um die Inseln Lesbos und Chios. Hier wird sich auch für die vor uns liegende Zeit unser Operations- schwerpunkt befinden. An einigen Stellen liegen Griechenland und die Türkei nur etwa 3 Seemeilen auseinander. Im Allgemeinen sind die Gewässer zwischen den Inseln navigatorisch anspruchs- voll aber auch landschaftlich sehr reizvoll. Nach nunmehr 10 Tagen im Operationsgebiet ist uns die Umgebung bereits gut vertraut und es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Pflanzenwelt auf den Inseln im Laufe unseres Einsatzes verändern wird.

Wir interagieren nun täglich mit den Booten der griechischen und türkischen Küstenwache sowie mit den zahlreichen FRONTEX Einheiten hier in der Region. Wir machen regelmäßig migrationsbedingte Beobachtungen, die wir dann an die nationalen Autoritäten und FRONTEX weitermelden.

Im Rahmen des Empfangs am 1. April wurde zwischen den Schiffen des Verbandes vereinbart, einen Tag lang gemeinsame Übungen und Manöver durchzuführen. Am 9. April war es dann so- weit und wir trafen auf See mit den beiden spanischen Schiffen zusammen. Als erste Übung sollte die Brandenburg den spanischen „Embargo-Brecher“ Patino vor dem Passieren einer imaginären „Ziellinie“ hindern. Trotz des Schutzes der Patino durch die Mendez Nunez ist uns dieser Auftrag durch ein taktisch kluges Verstecken hinter einer kleinen Insel hervorragend gelungen und der „Sieg“ in diesem Spiel ging an uns.

Das sich anschließende Seeversorgungsmanöver (in Marine-Sprech RAS – Replenishment at Sea – genannt) musste aufgrund von nicht passender Schlauchverbindungskupplung abgebrochen werden. Bei diesem Manöver fährt die Brandenburg mit ca. 45 Meter Querabstand an das Tankschiff heran. Dann wird eine Draht-Leinenverbindung zwischen den Schiffen hergestellt an der anschließend ein Tankschlauch übergeben wird. Da wir diese Verbindung aufgrund nicht passender Schäkel jedoch nicht sicher herstellen konnten, fand keine Kraftstoffversorgung auf See statt.

Das „Postbeutelmanöver“ bei dem anstatt der Schlauchverbindung lediglich eine Leine zwischen den Schiffen gespannt wird und zur Übergabe einer wasserdichten Posttasche dient, wurde wie geplant und sicher durchgeführt. Eine gute Übung für den Brücken-Wachoffizier und das seemännische Personal.

Zum Abschluss des gemeinsamen Tages fand in den Sonnenuntergang hinein ein sog. „Flotten- ballett“ statt. Eine Formationsfahrübung bei der sich die Schiffe in bestimmten vorgegebenen Formationen zueinander positionieren.
Auch wenn an diesem Tag nicht alles durchgeführt werden konnte wie geplant, so war es dennoch eine gute Übung für viele Bereiche der Besatzung und eine willkommene Abwechslung zum täglichen Einsatzgeschehen.

Da wir auf See nicht nachtanken konnten, sind wir am Dienstag, dem 11. April zu einem Bunker- stopp in Uzunada/Türkei eingelaufen und haben unsere Tanks dort aufgefüllt, bevor wir unsere Patrouillentätigkeit wieder aufgenommen haben.

Am heutigen Donnerstag, haben wir unseren ersten „See-Törn“ abgeschlossen und sind in der griechischen Hafenstadt Piräus eingelaufen. Piräus ist der Seehafen der Hauptstadt Athen.
Hier werden wir die Ostertage verbringen bevor wir Anfang nächster Woche wieder auslaufen werden.

Während des Hafenaufenthaltes werden wir ca. 25 Tonnen Lebensmittel und Kantinenware aus Deutschland erhalten und an Bord zu verstauen haben. Außerdem erwarten wir politischen Besuch aus Berlin (wobei ich nicht davon ausgehe, dass Sie davon etwas in den Nachrichten sehen werden). Zusätzlich zu der Möglichkeit Piräus und Athen „auf eigene Faust“ zu erkunden, werden auch Betreuungs- und Ausflugsfahrten zu den historischen Stätten angeboten.

Ich möchte Ihnen heute auch etwas über ein Projekt erzählen, welches wir derzeit an Bord durch- führen. Unter medizinischer Aufsicht unseres Schiffsarztes und unter sportlicher Anleitung der Sportoffiziere haben sich zahlreiche Kameraden für das Abnehm- und Fitnessprojekt „I make you Brandenburg“ angemeldet. Erklärtes Ziel der Teilnehmer ist es, ein wenig (oder auch etwas mehr) Gewicht zu verlieren und die eigene sportliche Fitness zu erhöhen. Wer genau sich daran beteiligt sollen Ihnen Ihre Angehörigen aber selbst erzählen – ich möchte ja schließlich keinen Leistungsdruck ausüben 🙂 Die gute Nachricht ist aber, dass alle Teilnehmer zusammen bereits über 75Kg Körpergewicht „abgespeckt“ haben. Der Salatverbrauch der Kombüse ist merklich angestiegen und die Sportgeräte und -veranstaltungen auf dem Flugdeck sind sehr hoch frequentiert.

Abschließend wünsche ich Ihnen allen schöne und erholsame Ostertage!

Bis zum nächsten Mal, Ihr

Christian Scherrer
Fregattenkapitän

 

P .S.

Die Postschlusszeit für unseren nächsten geplanten Hafenaufenthalt Ende April ist der 19.04.2017, d.h. Postsendungen, die uns während des Aufenthaltes erreichen sollen müssen bis zum 19.04.2017 in Wilhelmshaven eingegangen sein.

Für Ihre weitere Planung darf ich Ihnen noch die nächsten Termine des Familienbetreuungs- zentrums (FBZ) Wilhelmshaven ans Herz legen:

21.5.2017: Einsatzmesse im Gorch-Fock-Haus mit Vorträgen und Workshops 18.6.2017: Bootsfahrt zu den Seehundbänken
20.8.2017: Großes Sommerfest im Stützpunkt

Schriftliche Einladungen durch das FBZ folgen an die zur Betreuung angemeldeten in den nächs- ten Wochen. Weitere Infos und Anmeldung unter fbzwilhelmsahven@bundeswehr.org oder 0442/68-5511.
Zu allen Terminen dürfen auch gerne weitere Familienangehörige, Freunde und Bekannte mitge- bracht werden.

Sollten Sie wohnortbedingt von einem anderen FBZ betreut werden, aber den Kontakt zu den anderen Angehörigen der Brandenburg suchen, ist auf Wunsch auch ein Wechsel zum FBZ des Heimathafens möglich.

PDF mit Fotos vom Einsatz zum Download: Heimatinfo Nr. 2

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